Liveticker zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Erdrutschsieg für die AfD – CDU halbiert sich

Der Sonntag bringt eine Richtungswahl in Sachsen-Anhalt mit Bedeutung über die Landespolitik hinaus. RT DE wird Sie, liebe Leser, über die kommenden Tage mit diesem Liveticker über die Landtagswahl informieren und das Geschehen rund um die Wahl begleiten.

6.09.2026 21:37 Uhr

Aktuelle Hochrechnungen

In der aktuellen Hochrechnungen der ARD von Infratest dimap sackt die CDU weiter ab, während das BSW leicht zulegen konnte. Demnach kommen die Parteien auf folgende Stimmanteile: 

AfD: 44,2 Prozent (+23,4)
CDU: 18,0 Prozent  (-19,1)
Die Linke: 9,0 Prozent (-2,0)
SPD: 9,0 Prozent (+0,6)
Die Grünen: 8,6 Prozent (+2,7) 
FDP: 2,3 Prozent (-4,1)
BSW: 5,1 Prozent  (+5,1)

In der aktuellen Hochrechnung des ZDF (Forschungsgruppe Wahlen) kommt das BSW erstmals auf die nötigen Stimmen zum Einzug in den Landtag. Die CDU fällt dagegen auf unter 18 Prozent: 

AfD: 44,0 Prozent (+23,2)
CDU: 17,5 Prozent  (-19,6)
Die Linke: 9,0 Prozent (-2,0)
SPD: 9,0 Prozent (+0,6)
Die Grünen: 9,0 Prozent (+3,1) 
FDP: 2,5 Prozent (-3,9)
BSW: 5,0 Prozent  (+5,0)

Siegmund hofft offenbar auf CDU-Überläufer

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat im MDR nochmals bekräftigt, dass er eine Minderheitsregierung seiner Partei ausschließt. Er könne sich aber eine Zusammenarbeit vorstellen, sollte es eine demokratische Kraft oder "einzelne Abgeordnete" geben, mit denen man "die grundsätzliche Problemlage im Land lösen" könne. Aktuell sehe er noch keine Überläufer, sagte Siegmund. Aber er wisse nicht, was in den kommenden Tagen passiere, welche Auswirkungen das Ergebnis auch im politischen Berlin haben werde.

Der AfD-Politiker spekuliert offenbar auf Abtrünnige innerhalb der CDU-Fraktion, die ihm die Stimme bei der Ministerpräsidentenwahl geben könnten, oder auf ein Ende der Brandmauer bei der CDU in Sachsen-Anhalt nach einem Rücktritt von Sven Schulze.  "Vielleicht gibt es ja eine Partei, die vor 20, 30 Jahren einen ähnlichen Kurs hatte, die aber zu einer Kopie der Linken und Grünen geworden ist, und die mal zu sich selbst zurückfindet", sagte Siegmund, ohne wie wahrscheinlich von ihm gemeinte CDU beim Namen zu nennen. 

Chancen für das BSW auf Einzug in den Landtag steigen

In der neuesten Hochrechnung bei der ARD wird das BSW erstmals mit 5,1 Prozent angeführt, zuvor waren es stets glatte fünf Prozent gewesen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das BSW im Landtag ist, wächst", kommentierte ARD-Moderator Jörg Schönenborn die Entwicklung. 

Bei 5,0 Prozent hätte die Wahrscheinlichkeit für den Parlamentseinzug der Partei noch bei 50/50 gelegen, bei 5,1 Prozent lägen die Chancen nun bei 70 zu 30 Prozent, so Schönenborn mit Verweis auf die Datenexperten des Fernsehsenders. Denn für die Veränderung gebe es nach der Auszählung erster Stimmbezirke auch eine breitere Datenbasis. Allerdings schränkt der Moderator direkt ein: "Eine Sicherheit ist das noch nicht."

In den Hochrechnungen des ZDF liegt das BSW dagegen weiterhin bei 4,8 Prozent und wäre damit nicht im Landtag vertreten. 

Nach schlechtem CDU-Ergebnis: Schulze deutet seinen Rückzug an

CDU-Ministerpräsident Sven Schulze deutet nach dem schlechten Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt seinen Rückzug an. In der ARD sagte er, er bekomme zwar Rückhalt aus der Partei, aber: "Am Ende nützt es ja nichts." Das Ergebnis schmerze ihn persönlich, die Wähler hätten der CDU ein "klares Zeichen" gegeben.

Zuvor hatte die Junge Union einen personellen Neuanfang und den Rücktritt der gesamten CDU-Landesführung gefordert. Am Montag berät der CDU-Landesvorstand über Schulzes politische Zukunft.

AfD punktet vor allem bei Arbeitern 

Die AfD hat besonders stark bei den Arbeitern abgeschnitten. Dort kommt die Partei auf 61 Prozent der Stimmen und liegt mit weitem Abstand vor allen anderen Parteien. An zweiter Stelle kommt die CDU mit 10 Prozent, gefolgt von Die Linke mit 7 Prozent. An vierter Stelle bei den Arbeitern kommt das BSW (6 Prozent).

Die einst stolze Arbeiterpartei SPD spielt unter Arbeitern kaum noch eine Rolle und kommt nur noch – ebenfalls wie die Grünen – auf 5 Prozentpunkte. 

LIVE aus Magdeburg: Wahlparty der AfD 

Reichinnek: Ball liegt jetzt bei der CDU

Linken-Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek hat sich offen für Gespräche mit der CDU in Sachsen-Anhalt gezeigt - unter bestimmten Bedingungen. "Wir haben immer gesagt, dass wir bereit sind, mit den demokratischen Kräften zu reden", sagte Reichinnek im ZDF. Der Ball liege nun bei der Union, diese müsse "entscheiden, auf welcher Seite der Geschichte sie steht" und ob sie ihren Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linken aufrechterhalten oder mit ihr kooperieren wird, um dadurch die Brandmauer zur AfD zu erhalten. 

"Wir werden uns nicht billig verkaufen oder Politik stützen, die AfD light ist", sagte Reichinnek in Bezug auf eine mögliche Tolerierung einer CDU-geführten Landesregierung. Die Linke werde eine mögliche Zusammenarbeit "gemeinsam diskutieren".

Allerdings dürfte Die Linke laut aktuellen Hochrechnungen nicht das berühmte Zünglein an der Waage sein, da selbst CDU, SPD, Grüne und Die Linke zusammen nicht auf die nötige Mehrheit im Parlament kommen.  Nach derzeitigem Stand kämen sie zusammen auf 40 Sitze (die AfD auf 39), womit sie die nötige Mehrheit um zwei Sitze verfehlen.  

Trotz Wahlniederlage: Grüne geben sich kämpferisch

Die Grünen feiern auf ihrer Wahlparty in Magdeburg. Die Spitzenkandidatin Sziborra-Seidlitz nutzte ihre Rede direkt für eine Kampfansage:

"Wir werden dem nächsten Landtag von Sachsen-Anhalt angehören und wir werden denen das Leben zur Hölle machen."

Das gelte unabhängig vom abschließenden Wahlergebnis der AfD.

Als sie auf die Bühne im Innenhof der Festung Mark zulief, skandierten die Besucher ihren Spitznamen "Suse". Das berichtet die FAZ. "Wir waren die Stimme, die den Menschen Mut gemacht hat", sagte Sziborra-Seidlitz. "Wir sind fröhlich, wir sind optimistisch, wir sind zuversichtlich", fügte sie hinzu.

Amira Mohamed Ali wirbt für "überparteilichen Ministerpräsidenten"

Wie BSW-Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali der Nachrichtenagentur dpa sagte, will das BSW weder AfD-Kandidat Ulrich Siegmund noch CDU-Kandidat Sven Schulze zu einer Mehrheit als Ministerpräsident verhelfen. "Wir werden genau das tun nach der Wahl, was wir vor der Wahl angekündigt haben. Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen", sagte sie auf der Wahlparty ihrer Partei in Magdeburg.

Das BSW biete angesichts der Polarisierung im Land einen "dritten Weg" an. "Wir müssen raus aus diesen Schützengräben, raus aus diesen Grabenkämpfen, und deswegen sagen wir, es ist Zeit für ein neues Modell, einen Ministerpräsidenten oder eine Ministerpräsidentin, die anerkannt ist überparteilich und die mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung des ganzen Parlaments regiert", sagte Mohamed Ali. Damit könne Politik in der Sache gemacht werden, "was dann auch perspektivisch Gräben wieder schließen kann".

CDU-Ministerpräsident Günther: "Erschütternder Moment für unser Land"

Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther bezeichnet das Ergebnis in Sachsen-Anhalt als "erschütternden Moment für unser Land". Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs liege eine Partei, deren Landesverband als gesichert rechtsextremistisch eingestuft sei, nahe an der absoluten Mehrheit.

Auch das Abschneiden der CDU sei von "dramatischen Verlusten" geprägt. Das Ergebnis verlange von allen demokratischen Parteien eine "grundlegende und schonungslose Auseinandersetzung" mit der Frage, warum ihnen so viel Misstrauen entgegengebracht werde – und was sich ändern müsse, um Vertrauen zurückzugewinnen. "Kleine Korrekturen werden dafür nicht ausreichen", so Günther.

Klingbeil stellt Reformkurs der Bundesregierung infrage

SPD-Chef Lars Klingbeil sieht im Wahlergebnis auch ein Signal an die Bundesregierung. Viele Menschen seien mit dem Reformkurs unzufrieden, sagte er im ZDF. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken. "Und seien Sie sich sicher, das werden wir auch tun." Konkrete Kurskorrekturen nannte Klingbeil nicht.

Der SPD-Politiker bezeichnete das Ergebnis als "Zäsur". Mit Blick auf das starke Abschneiden der AfD sprach er von vielen Menschen, die nun Angst hätten und sich Sorgen machten. Die SPD werde "alles dafür tun", dass die Menschen in Deutschland sicher leben könnten und das Land weltoffen bleibe.

Eine Zusammenarbeit mit der AfD bei der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt schloss Klingbeil aus. "Wir setzen uns mit der AfD nicht an einen Tisch", sagte er. Stattdessen wolle die SPD mit den demokratischen Kräften eine Mehrheit bilden. Nun sei auch die Union gefordert, einen Weg zur Regierungsbildung aufzuzeigen.

"Kampfauftrag": SPD-Chefin Bas sieht keinen Grund für Personaldebatten

Die SPD erreichte bei der Landtagswahl laut Hochrechnung magere 8,2 Prozent. Parteichefin sieht dennoch keinen Grund für Personaldebatten und betonte, dass ihre Partei ihr schlechtes Ergebnis habe halten können.

Auf die Frage hin, dass es in der SPD Forderungen nach einem Sonderparteitag und neuen Vorsitzenden gebe, sagte sie in der ARD: "Meine Partei ist sehr diskussionsfreudig, aber darum geht es heute Abend wirklich nicht. Ich glaube, das schließt bei uns eher die Reihen, weil wir hier einen ganz anderen Kampfauftrag haben, nämlich diese Demokratie aufrechtzuerhalten."

Hallervorden gibt Merz Mitschuld an CDU-Debakel

Schauspieler Dieter "Didi" Hallervorden, der die CDU im Wahlkampf unterstützt hatte, gibt Bundeskanzler Friedrich Merz eine Mitschuld am schlechten Abschneiden der Partei in Sachsen-Anhalt.

Merz habe "viel Schuld daran, dass man der CDU bundesweit sowieso nichts mehr zutraut", sagte Hallervorden in der ARD. Das habe sich auch auf die CDU in Sachsen-Anhalt ausgewirkt und für eine "schlechte Begleitmusik" gesorgt.

Er sei "sehr traurig" über das Ergebnis, sagte Hallervorden. Zugleich betonte er:

"Ich bin auch Demokrat und habe das Wahlergebnis zu akzeptieren."

Totenstille bei der CDU in Magdeburg

Ministerpräsident Sven Schulze reagiert in diesem Video auf die erste Prognose, die die CDU nur bei 18,5 Prozent sieht. Die Stimmung bei den Christdemokraten in Magdeburg ist entsprechend gedrückt.

BSW-Kandidatin Wittig bereit für Zusammenarbeit mit AfD

Während das BSW noch um den Einzug in den Landtag bangen muss, hat sich deren Spitzenkandidatin Claudia Wittig bereit erklärt, in einzelnen Punkten mit der AfD zusammenzuarbeiten. Sie nannte etwa die Energiepolitik. "Ich denke, wir bleiben bei unserer Entscheidung, die wir vor der Wahl angekündigt haben, immer einzeln zu entscheiden", sagte Wittig in einer ARD-Gesprächsrunde in Anwesenheit von Alice Weidel. 

Die AfD-Chefin sagte daraufhin: "So geht vernünftige Politik und so verhalten sich Demokraten. Es muss nämlich in der Sache stimmen, und keine Brandmauern hochziehen."

Sollte die AfD nicht an der Regierung beteiligt werden, sei das "völlig undemokratisch",  sie nicht in irgendeiner Form an der Regierung zu beteiligen, sagte Wittig.

BSW laut erster ARD-Hochrechnung im Landtag vertreten

Während das BSW laut einer ersten Hochrechnung des ZDF nicht im Landtag vertreten ist, schafft die Partei von Sahra Wagenknecht den Einzug in den Landtag laut der  ersten Hochrechnung von Infratest dimap für die ARD. Die Parteien kommen in der ARD-Hochrechnung auf folgende Stimmanteile:

AfD: 44,5 Prozent (+23,7)
CDU: 18,5 Prozent  (-18,6)
Die Linke: 9,4 Prozent (-1,6)
SPD: 8,2 Prozent (-0,2)
Die Grünen: 8,9 Prozent (+3,0) 
FDP: 2,1 Prozent (-4,3)
BSW: 5,0 Prozent  (+5,0)

Die AfD käme in diesem Szenario auf 39 Sitze, für eine absolute Mehrheit wären 42 nötig. CDU, SPD, Grüne und Linke kämen zusammen nur auf 38 Sitze. Fällt das BSW noch raus, käme die AfD auf 41 Sitze. Damit würde nur ein Sitz für die absolute Mehrheit fehlen. Es ist also noch alles offen und insbesondere für das BSW dürfte es noch eine lange Zitterpartie werden. 

BSW laut erster ZDF-Hochrechnung nicht im Landtag

Laut der ersten Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF wäre das BSW nicht im Magdeburger Landtag vertreten. Demnach kommen die Parteien auf folgende Stimmanteile: 

AfD: 44,1 Prozent (+22,8)
CDU: 18,5 Prozent  (-18,6)
Die Linke: 9,2 Prozent (-1,8)
SPD: 8,8 Prozent (+0,4)
Die Grünen: 8,7 Prozent (+2,8) 
FDP: 2,4 Prozent (-4,0)
BSW: 4,8 Prozent  (+4,8)

Schon in der ersten Prognose der Forschungsgruppe Wahlen kam das BSW auf 4,8 Prozent und wäre damit nicht im Landtag vertreten. In der ersten Prognose von Infratest dimap (ARD) kam die Partei von Sahra Wagenknecht dagegen auf 5,0 Prozent. 

BSW hofft auf "grundlegende" Veränderung der politischen Mehrheiten

John Lucas Dittrich, Co-Landeschef des BSW in Sachsen-Anhalt, zeigt sich zuversichtlich, dass seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Man habe in den vergangenen Wochen großen Zuspruch erfahren. "Jetzt warten wir darauf, dass sich dieser Zuspruch auch im endgültigen Ergebnis zeigt", sagte Dittrich dem SPIEGEL. "Wenn das BSW einzieht, verändern sich die politischen Mehrheiten in Sachsen-Anhalt grundlegend."

Laut erster Hochrechnung ist die AfD klarer Wahlsieger, verfehlt aber die parlamentarische Mehrheit.

Schulze räumt Wahlniederlage ein und gratuliert AfD

Der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze räumt seine Niederlage ein. Man habe sich "in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht." Zugleich gratuliert er der AfD als Wahlsiegerin. "Wir werden als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen", sagt Schulze. Es sei ein extrem harter Wahlkampf gewesen, wie es ihn in dieser Form noch nie gegeben habe.

AfD halbiert CDU - BSW muss um Einzug in den Landtag zittern

Eine der entscheidenden Fragen des Wahlabends ist noch offen: Schafft das BSW den Einzug in den Landtag? In den ersten Prognosen liegt die Partei knapp um die Fünf-Prozent-Hürde – laut ARD bei 5,0 Prozent, dem ZDF zufolge bei 4,8 Prozent.

Das BSW hatte vor der Wahl eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausgeschlossen. Spitzenkandidatin Claudia Wittig sagte, eine 40-Prozent-Partei könne man "nicht einfach ausschließen". Sahra Wagenknecht plädierte zudem für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der auch mit Unterstützung der AfD regieren könnte.

Bundes-CDU weist Koalitionsangebot zurück

Nachdem AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte, seine Partei sei offen für Koalitionen, hat CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann gegenüber der ARD eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD zurückgewiesen. "Wir arbeiten nicht mit Rechtsextremisten zusammen", sagte Hoppermann. 

Die CDU-Generalsekretärin wies zudem Spekulationen zurück, wonach CDU-Abgeordnete ihr Mandat niederlegen bzw. zur AfD wechseln könnte. Hoppermann schloss das kategorisch aus. 

Der Stimmenanteil für die CDU hat sich im Vergleich zur letzten Landtagswahlen halbiert. Der Bundeskanzler sei der beste Wahlkämpfer für die AfD gewesen, so Siegmunds Einschätzung. 

Siegmund: Merz war ein guter Wahlkämpfer für die AfD

Bei der ARD äußert sich nun AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur ersten Prognose. Gezeigt werden Bilder von dem Moment, in dem das Ergebnis bekannt wird: Siegmund feiert gemeinsam mit den Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla – alle drei mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Man habe erreicht, was man sich vorgenommen habe: "Geschichte zu schreiben", sagte Siegmund. Deutschland brauche einen grundlegenden Wandel. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei dabei "ein guter Wahlkämpfer für die AfD" gewesen, sagt der AfD-Spitzenkandidat.

"Das Ergebnis spricht eine tolle Sprache." Siegmund schloss eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien nicht aus – allerdings nur mit solchen, "die mit uns eine grundsätzliche Kehrtwende herbeiführen möchten".

Bislang hatte die AfD betont, nur mit einer absoluten Mehrheit eine Regierung bilden zu wollen.

Weidel sieht "ganz klaren Regierungsauftrag" für die AfD

Nur wenige Minuten nach der ersten Prognose ist AfD-Bundeschefin Alice Weidel im ZDF-Studio. Sie spricht von einem "historischen Ergebnis". Für ihre Partei seien sogar noch 45 Prozent möglich, mutmaßt Weidel. Das Ergebnis sei "ein ganz klarer Regierungsauftrag".

Auf den Einwand der Moderatorin, dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund angekündigt habe, nur mit einer absoluten Mehrheit regieren zu wollen, erwidert Weidel: "Die stärkste Partei hat immer den Auftrag, eine Regierung zu bilden." Die AfD sei offen für Koalitionen. "Wer es letztendlich macht, vielleicht auch durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen", sagt Weidel.

Erste Prognose liegt vor: AfD hat keine absolute Mehrheit

Laut einer ersten Prognose von Infratest dimap, die auf Wählernachbefragungen beruht, haben die Parteien folgendermaßen abgeschnitten (in Klammern der Unterschied zur vorherigen Landtagswahl): 

AfD: 44,5 Prozent (+ 23,7)

CDU: 18,5 Prozent (- 18,6)

Die Linke: 9,5 Prozent (- 1,5)

SPD: 8,0 Prozent (- 0,4)

Grüne: 9,0 Prozent  (3,1)

BSW: 5,0 Prozent (__)

FDP: 2,0 Prozent  (- 4,4)

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: 

AfD: 39 Sitze

CDU: 16 Sitze

Die Linke: 8 Sitze

SPD: 7 Sitze

Grüne: 8 Sitze

BSW: 5 Sitze

Insgesamt hat der Magdeburger Landtag 83 Sitze, die AfD käme demnach auf keine alleinige Mehrheit. Allerdings kann sich die Sitzverteilung noch ändern, da das BSW den Einzug in das Parlament verpassen könnte. Zudem können die späteren Hochrechnungen, die auf Stimmauszählung beruhen, von den Prognosen abweichen. 

Kurz vor Wahlschluss: Versammlung auf dem Magdeburger Domplatz

In einer halben Stunde schließen in Sachsen-Anhalt die Wahllokale. Auf dem Domplatz in Magdeburg haben sich Dutzende Menschen versammelt, um für "demokratische Werte" zu demonstrieren. Rund um den Platz sichert die Polizei die Versammlung der DGB-Jugend. Dabei kommen unter anderem auch sogenannte Anti-Terror-Sperren zum Einsatz.

LIVE aus Magdeburg: Antifa-Demo zur Wahl in Sachsen-Anhalt

AfD wirbt für verstärkte Wahlbeobachtung

Die AfD hat bereits auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl und der Stimmauszählung hingewiesen. Die Partei rief ihre Anhänger dazu auf, am Wahltag die Arbeit der ehrenamtlichen Wahlhelfer aufmerksam zu verfolgen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte kürzlich, er empfehle den Bürgern, um 18 Uhr in ihr Wahllokal zu gehen und die Auszählung zu beobachten.

Damit solle sichergestellt werden, dass alles "rechtssicher" ablaufe und es später keine Vorwürfe gebe. Siegmund räumte zugleich ein, dass es nicht um Unregelmäßigkeiten größeren Ausmaßes gehe, sondern diese lediglich "in Einzelfällen" auftreten könnten.

Auch zur Briefwahl äußerten Siegmund und Bundesparteichef Tino Chrupalla wiederholt Bedenken. Chrupalla verwies unter anderem auf die Briefwahl in Pflegeheimen und sprach von Situationen, in denen Bewohnern bei der Stimmabgabe möglicherweise geholfen worden sei. Konkrete Fälle nannte er dabei nicht. Die AfD thematisiert mögliche Wahlmanipulationen bereits seit mehreren Jahren.

Insbesondere die Briefwahl war wiederholt Gegenstand entsprechender Warnungen aus der Partei. Auch in Sachsen-Anhalt gab es in der Vergangenheit ähnliche Äußerungen von AfD-Politikern.

Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt um 16 Uhr deutlich gestiegen

Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt ist bis 16 Uhr deutlich gestiegen. Bei der Urnenwahl lag sie nach Angaben der Landeswahlleitung bei 65,3 Prozent. Damit liegt die Beteiligung bereits klar über dem Wert von 2021, als bis 16 Uhr lediglich 41,0 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten. Auch im Vergleich zu den vergangenen Landtagswahlen ist der Wert außergewöhnlich hoch.

AfD-Büro in Mecklenburg-Vorpommern beschmiert

Die politische Polarisierung führt auch in Mecklenburg-Vorpommern zu einer aufgeheizten Stimmung. Dort wird erst in zwei Wochen gewählt. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, stellte eine Polizeistreife am Sonntagmorgen fest, dass die Fensterfront eines AfD-Büros im Landkreis Vorpommern-Rügen beschmiert worden war. Es soll sich um das Büro der AfD-Kreistagsfraktion handeln. Die Polizei geht von einer politischen Motivation der Sachbeschädigung aus. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Polizei bereitet sich auf Proteste am Magdeburger Hauptbahnhof vor

In den sozialen Medien wurde eine nicht angemeldete Anti-AfD-Kundgebung unter dem Motto "Kein Morgen den Faschisten!" am Hauptbahnhof der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt beworben. Wie Die Welt und Bild berichten, verlegte die Polizei zwei Hundertschaften dorthin. Auch ein Unterstützungskommando aus Bayern soll zugegen sein. Vor dem Bahnhof stünden mindestens zehn Einsatzwagen, berichtet ein Springer-Reporter.

Mittlerweile sollen sich gut 50 Demonstranten am Hauptbahnhof eingefunden haben, ihre Zahl nimmt weiter zu. Manche der Versammlungsteilnehmer auf dem Bahnhofsvorplatz vermummen sich. Die Stimmung ist bisher friedlich. Ein Redner spricht über die negativen Auswirkungen des kapitalistischen Systems. Die AfD sei der offensivste Auswuchs der nationalistischen Opfermoral.

Auch das Essen ist politisch

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf den Spuren von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder? Der CSU-Politiker war als Foodblogger in den sozialen Medien bekannt (RT DE berichtete), hat diese Marotte allerdings mittlerweile aufgegeben. Heute postete Siegmund auf der Social-Media-Plattform X ein Foto, das ihn mit seiner Frau und zwei Gästen beim Mittagessen zeigt. Es gibt Nudeln mit Tomatensoße.

Derweil kommt dem Springer-Medium Bild das auf der BSW-Wahlparty gereichte Kleingebäck verdächtig vor. Darunter: Russisch Brot. Bild fragt – offenbar verstört: "Nur Zufall oder politische Botschaft?"

Weitere Anti-AfD-Kundgebung auf dem Magdeburger Domplatz

In Magdeburg findet heute Nachmittag eine weitere Kundgebung von AfD-Gegnern statt. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, wurde gerade eine riesige Regenbogenflagge auf dem Domplatz ausgebreitet. Die Demonstration soll um 15 Uhr starten. Organisatoren der Veranstaltung sind das Antifaschistische Bündnis solidarisches Magdeburg, die Omas gegen Rechts sowie der DGB.

Jule Vollhardt, die Pressesprecherin von Greenpeace Deutschland, erklärte gegenüber dem RND: "Wir stehen heute alle hier gegen Rechtsextremismus und für Demokratie ein." Es gehe darum, vor Ort "Bambule" zu machen und ganz klar aufzuzeigen, "wofür wir heute da sind".

Die Veranstaltung trägt den ominösen Titel "Sachsen-Anhalt juckt mich!". Nach Angaben der Veranstalter ist geplant, ab 15 Uhr einen riesigen Schriftzug mit den Worten "Wir bleiben bunt" auf den Domplatz zu legen. Man wolle friedlich für "eine plurale, freie und demokratische Zukunft" demonstrieren. Für die Zeit von 18 bis 20:30 Uhr sind Redebeiträge geplant.

Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt weiterhin auf Rekordkurs

Auch die 14-Uhr-Daten zeigen ein Rekordniveau bei der Wahlbeteiligung. Wie die Landeswahlleiterin Christa Dieckmann in einer Pressemitteilung bekanntgab, betrug die Wahlbeteiligung um 14 Uhr 54,4 Prozent. Bei der Landtagswahl 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt lediglich 27,1 Prozent.

Die Daten beruhen auf stichprobenartigen Rückmeldungen aus repräsentativen Urnenwahlbezirken, das heißt, die Briefwahl ist darin nicht berücksichtigt. Die Gesamtwahlbeteiligung aus Brief- und Urnenwahlbezirken kann erst ab 18 Uhr ermittelt werden.

Dieckmann gab auch bekannt, dass die Zahl der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt gesunken ist. Sie liegt derzeit bei 1.706.017 und damit um 82.973 Personen niedriger als 2021. Damals hatte Sachsen-Anhalt 1.788.990 Wahlberechtigte.

Stimmabgabe von Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern fand in Magdeburg statt

Laut MDR-Informationen hat Eva von Angern, die Spitzenkandidatin der Linken und derzeitige Fraktionsvorsitzende dieser Partei im sachsen-anhaltischen Landtag, bereits am Vormittag gewählt. Die Stimmabgabe der Volljuristin fand im Magdeburger Stadtteil Neu Olvenstedt statt. Begleitet wurde von Angern von ihrem Pressesprecher Oliver Wiebe. Letzterem zufolge habe es vor dem Wahllokal eine kleine Menschenansammlung gegeben, unter ihnen Bekannte der Linken-Politikerin.

Bei einer von Radio Brocken zusammen mit RTL/ntv organisierten Kandidatenrunde hatte von Angern dem Spitzenkandidaten der AfD, Ulrich Siegmund, ostentativ den Handschlag verweigert. Im Interview mit dem Springer-Medium Die Welt erklärte die Linken-Politikerin später: "Ich habe selbstverständlich Herrn Siegmund die Hand verwehrt."

Siegmund und seine Mitstreiter würden in extremster Weise gegen ihre Person hetzen, ebenso gegen Frauen, Migranten und queere Menschen. Die Verweigerung des Handschlags habe etwas mit Anstand zu tun. Sie stehe aber selbstverständlich mit Menschen aus der AfD-Wählerschaft im Dialog.

In der CDU Sachsen-Anhalt deutet sich ein Richtungskampf an

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zufolge ist bei den sachsen-anhaltischen Christdemokraten bereits vor Schließung der Wahllokale ein Streit ausgebrochen. Das RND deutet mit Bezug auf nicht näher spezifizierte Quellen an, dass es dabei vor allem um den Umgang mit der Linkspartei geht. Eigentlich gilt in der CDU seit ihrem Bundesparteitag 2018 ein Unvereinbarkeitsbeschluss, der ihr nicht nur die Zusammenarbeit mit der AfD, sondern auch mit den Linken verbietet.

Allerdings weisen Umfragen darauf hin, dass eine erneute CDU-geführte Landesregierung ohne zumindest eine Tolerierung durch die Linkspartei ein Ding der Unmöglichkeit werden könnte. Deshalb trifft sich Ministerpräsident Sven Schulze, der zugleich als CDU-Landesvorsitzender fungiert, den RND-Informationen zufolge heute Nachmittag mit den sachsen-anhaltischen CDU-Kreisvorsitzenden. Das mutmaßliche Ziel des Treffens: eine Verständigung auf einen gemeinsamen Kommunikationskurs in den nächsten Tagen.

In den kommenden Tagen könnte es im CDU-Landesverband hoch hergehen. Am Montagabend wird der Landesvorstand tagen, am Dienstagvormittag die frisch gewählte CDU-Landtagsfraktion. Man munkelt in der Partei, dass dann der Schulze-Vertraute Ulrich Thomas gegen den bisherigen CDU-Fraktionschef Guido Heuer kandidieren könnte.

Grüne Spitzenkandidatin stimmt in Quedlinburg ab

Wie der Sender MDR berichtet, hat die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Susan "Suse" Sziborra-Seidlitz, bereits am Vormittag zur Stimmabgabe ein Wahllokal an ihrem Wohnort Quedlinburg aufgesucht. Einem Pressesprecher der Grünen zufolge habe es nur eine kurze Schlange gegeben.

Die gebürtige Ostberlinerin ist mit einem Quedlinburger verheiratet und lebt dort seit fast zwei Jahrzehnten. Sziborra-Seidlitz zog bei der Landtagswahl 2021 über die Landesliste der Grünen in den sachsen-anhaltischen Landtag ein. Die zuvor als Krankenpflegerin tätige Sziborra-Seidlitz ist Co-Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt.

Mobilisierung der Unentschlossenen könnte den Wahlsieg bedeuten

Laut einer wenige Tage vor der Wahl veröffentlichten Umfrage des ZDF-Politbarometers waren zu diesem Zeitpunkt noch 26 Prozent der Wähler unentschlossen, welcher Partei sie an diesem Sonntag den Vorzug geben sollen. Je nachdem, wer die Unentschlossenen noch mobilisieren kann, könnte das für die AfD den Wahlsieg oder den Verlust der Möglichkeit einer Alleinregierung bedeuten. Das liegt daran, dass der Einzug mehrerer kleinerer Parteien die Chancen auf eine absolute AfD-Mehrheit immer weiter verringert.

Die Wahlumfragen selbst üben dem Politikwissenschaftler Werner Krause zufolge einen erheblichen Einfluss auf die Wahlentscheidung aus. Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte er: "Die aktuellen Umfragewerte der AfD könnten Unentschlossenen signalisieren: Ihr könnt dafür sorgen, dass diese Partei ein historisches Ergebnis einfährt. Gleichzeitig kann es genauso zum Gegenteil kommen, also dass Menschen sich für eine spezifische Partei entscheiden, um genau dieses Ergebnis zu verhindern."

Am Wahlsonntag selbst dürfen keine Wahlumfragen mehr veröffentlicht werden. Dieses Verbot soll den Grundsatz der Gleichheit der Wahl garantieren. Denn alle Wähler sollen, egal zu welcher Tageszeit sie ihre Stimme abgeben, den gleichen Wissensstand haben. Das wäre nicht mehr gegeben, wenn Umfrageergebnisse vor Schließung der Wahllokale veröffentlicht würden.

CDU-Ministerpräsident Sven Schulze gibt seine Stimme ab

Am Mittag hat auch der amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, seine Stimme abgegeben. Die Zeit des Wahlkampfs sei anstrengend gewesen, sagte der CDU-Spitzenkandidat vor dem Wahllokal. "Dann warten wir mal ab", sagte Schulze nach seiner Stimmabgabe.

Im Anschluss stand er Journalisten Rede und Antwort. Auf ein Prognose zum Ausgang der Wahl wollte er sich aber nicht einlassen. 

In Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab

Wie die sachsen-anhaltische Landeswahlleiterin Christa Dieckmann gegen 12 Uhr am Wahlsonntag in einer Pressemitteilung bekannt gab, ist die Wahlbeteiligung bei der diesjährigen Landtagswahl überdurchschnittlich hoch. Weitere Daten über die vorläufige Wahlbeteiligung sollen um 14 und 16 Uhr veröffentlicht werden.

Der Veröffentlichung der Landeswahlleiterin zufolge betrug die Wahlbeteiligung um 12 Uhr 34,72 Prozent. Bei der Landtagswahl im Jahr 2021 hatte die Wahlbeteiligung im Vergleichszeitraum dagegen lediglich 22,4 Prozent betragen.

Bezüglich des bisherigen Wahlverlaufs zog Dieckmann ein positives Fazit. Die Wahl habe in den rund 2.130 Urnenwahllokalen Sachsen-Anhalts pünktlich begonnen. Am Vormittag sei die Wahl reibungslos verlaufen. Unverhältnismäßige Wartezeiten habe es nicht gegeben.

Wagenknecht pocht erneut auf überparteilichen Ministerpräsidenten

In einem heute Morgen auf der Social-Media-Plattform X veröffentlichten Wahlaufruf besteht BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht erneut auf einem überparteilichen Ministerpräsidenten für Sachsen-Anhalt. Dieser solle mit wechselnden Mehrheiten regieren und das Land wieder zusammenführen. Demnach will das BSW Ulrich Siegmund weiterhin nicht zum Ministerpräsidenten küren. Allerdings lehnt dieser ohnehin eine AfD-Regierung mit BSW-Unterstützung ab.

Um eine "Brandmauerkoalition" von CDU bis Linke zu verhindern, brauche es den Einzug des BSW in den sachsen-anhaltischen Landtag, erklärte die BSW-Politikerin. Mit der Abwahl von CDU-Amtsinhaber Sven Schulze ließe sich dann auch das Ende der Kanzlerschaft von Friedrich Merz einleiten. Wagenknechts Verheißung: "Denn fällt der CDU-Ministerpräsident, wackelt auch Kanzler Merz." Wagenknecht zufolge wäre Merzens Sturz "ein Segen für unser Land".

Internationale Presse in Sachsen-Anhalt: "Es geht um ganz Europa"

Der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, hat in seinem Wahlbezirk Tangermünde seine Stimme abgegeben. Vor Ort haben sich Journalisten aus aller Welt versammelt und Fragen an den AfD-Politiker gerichtet.

Ein Video dazu gibt es hier auf unserer Webseite

Journalisten-Vertreter beklagen Angriffe bei AfD-Veranstaltungen

In einer am Donnerstag herausgegebenen Pressemitteilung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di konstatiert die Interessenvertretung "einen besorgniserregenden Anstieg von Übergriffen auf und Behinderungen von Medienschaffenden" während des Landtagswahlkampfs. Dies betreffe vor allem Veranstaltungen der AfD.

Der dju zufolge habe man seit Anfang Mai 2026 über 30 Vorfälle bei Wahlkampfveranstaltungen der AfD registriert. Von der Aggression betroffen seien mindestens 47 Journalisten, TV-Teams und Influencer gewesen. Die Mehrzahl dieser Vorfälle habe sich in den letzten Wochen vor der Wahl ereignet.

Dabei gehe es um verbale Diffamierung und Behinderung der journalistischen Tätigkeit, aber auch um Nachstellungen und Doxing. Unter Doxing versteht man das Veröffentlichen personenbezogener Daten ohne Einwilligung des Betroffenen. In fünf Fällen sei es sogar zu körperlichen Angriffen gekommen. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein erheblicher Anstieg der Fälle.

Die mutmaßlichen Täter seien oft selbst Medienschaffende, meist Streamer und Medienaktivisten aus dem rechten Spektrum. Als Beispiel dafür nannte die dju einen Vorfall in Merseburg, wo ein Streamer einen Reporter von Spiegel TV beiseitegerempelt habe. Dazu habe es feindselige Sprechchöre gegeben.

In Lützen habe es eine Korrespondentin des Magazins Politico getroffen. Ein Sicherheitsmitarbeiter einer AfD-Wahlkampfveranstaltung habe die Journalistin am Arm gepackt und gegen eine Bordsteinkante gestoßen. Die herbeigerufene Polizei habe sich auf die Seite des Sicherheitsmannes gestellt.

Ver.di-Fachbereichsleiter Lucas Munzke sprach diesbezüglich von der AfD als einer "medienfeindlichen Partei", die unabhängige Berichterstattung bekämpfe. Die Behörden in Sachsen-Anhalt müssten die Reaktion der Polizei auf diese Übergriffe aufarbeiten, damit die Polizei künftig ihrer Schutzpflicht gegenüber den Journalisten nachkomme. Gegenüber den Streamern und Parteisicherheitsdiensten müssten die Strafverfolgungsbehörden die Übergriffe zudem konsequent ahnden.

Ulrich Siegmund: "Abschieben ab Minute 1"

Bei seiner Wahlkampfabschlussrede am Samstag in Magdeburg erklärte Ulrich Siegmund, dass er vielleicht tatsächlich der "gefährlichste Mann in Deutschland" sei, allerdings nicht für die Deutschen, sondern für das Establishment. Er kündigte an, Sachsen-Anhalt und Deutschland "zurückzuholen" und das wieder aufzubauen, was über Jahrzehnte zerstört wurde.

Siegmund betonte, seine Partei beschäftige sich nicht mit Brandmauern, sondern mit konkreter Politik und sei bereit, ab dem ersten Tag Verantwortung zu übernehmen. Für Sachsen-Anhalt kündigte er eine konsequente Abschiebepolitik an: "Abschieben ab Minute 1".

Ein Video dazu gibt es hier auf unserer Webseite

Stimmabgabe von SPD-Spitzenkandidat Willingmann fand im Harz statt

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat auch der Spitzenkandidat der SPD, der derzeitige sachsen-anhaltische Wissenschaftsminister Armin Willingmann, seine Stimme abgegeben. Dies geschah in einem Wahllokal in Wernigerode in Begleitung seiner Frau.

Jura-Professor Willingmann nutzte der Meldung zufolge die Gelegenheit für eine verbale Attacke auf die in den Umfragen der vergangenen Wochen in Führung liegende AfD: Eine Alleinregierung der AfD würde dem Land schweren Schaden zufügen, ließ Willingmann verlauten. Dem Land wünschte er: "Möge die Sonne auch die nächsten Jahre über Sachsen-Anhalt scheinen!"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze hat gewählt

Auch der amtierende Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze hat seine Stimme abgegeben. Er tat dies zusammen mit seiner Gattin in einem Magdeburger Wahllokal. Einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zufolge gab er sich bei dem Auftritt zuversichtlich. Er hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung. Schulze erklärte vor dem Wahllokal, dass der Wahlkampf anstrengend gewesen sei.

Nach seiner Stimmabgabe meinte Schulze: "Dann warten wir mal ab." Im Gegensatz zum Auftritt seines Konkurrenten Siegmund vor dem Wahllokal in Tangermünde waren vor dem Wahllokal des Ministerpräsidenten deutlich weniger Menschen zugegen. Die meisten Anwesenden waren Pressevertreter.

Bischof agitiert noch am Wahltag gegen AfD

Die Bistumswallfahrt des Bistums Magdeburg auf die Huysburg am Morgen des Wahltags nutzte der katholische Bischof Gerhard Feige erneut zur politischen Agitation gegen die AfD. Er nannte die Partei zwar nicht beim Namen, nahm in seiner Predigt jedoch Bezug auf zwei AfD-Slogans aus dem Landtagswahlkampf, die "Alles ist möglich" beziehungsweise "Alles wird gut" lauteten.

Das katholische Nachrichtenportal Vatican News zitierte aus dem Redemanuskript des hohen geistlichen Würdenträgers. Demnach hatte Feige eine "zunehmende Verwahrlosung des menschlichen Miteinanders" beklagt und zum Kampf gegen den Extremismus aufgerufen. Derzeit heiße das, "dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen."

Der Bischof wandte sich gegen die "Agitation und Propaganda" von Kräften in der Politik, "die Zwietracht säen, Misstrauen und Ängste schüren, drastisch bisherige Rechte und Freiheiten einschränken" wollten. Zugleich verhießen diese Strömungen "in messianischer Selbstüberhebung paradiesische Zustände".

In den Köpfen vieler Menschen hätten sich "apokalyptische und rassistische Vorstellungen" festgesetzt, so der katholische Geistliche: "Nächstenliebe wird zum Unwort – und Menschenfeindlichkeit gesellschaftsfähig."

Die Initiative des Bistums Magdeburg "Bewusst wählen" müsse über die Zeit der Landtagswahl hinaus gelten, forderte der Bischof ein. Das Leitwort der Wallfahrt "Du sollst ein Segen sein" sei schon bislang eine anspruchsvolle Aufgabe gewesen: "Nunmehr aber ist es unter verschärfteren Bedingungen eine noch größere Herausforderung für uns alle – jedoch die allein wirklich überzeugende und heilsame Alternative in den Auseinandersetzungen unserer Zeit."

Notfall vor Siegmunds Wahllokal

Der AfD-Spitzenkandidat hat unter großer Teilnahme der Öffentlichkeit seine Stimme in seinem Heimatort Tangermünde abgegeben. Auf einer blauen Simson Schwalbe fuhr er zusammen mit seiner Frau Julia vors Wahllokal. Zahlreiche Journalisten, Schaulustige und AfD-Anhänger erwarteten den 35-jährigen Politiker, der bei einem Wahlsieg der nächste Ministerpräsident Sachsen-Anhalts werden könnte. Den applaudierenden AfD-Fans rief Siegmund zu: "Danke für euren Rückenwind!"

Vor Siegmunds Ankunft hatte sich der Deutschen Presse-Agentur zufolge ein medizinischer Notfall ereignet. Ein Mann musste reanimiert werden. Ein Rettungswagen und ein Notarzt waren im Einsatz. Es ist bisher unklar, ob der Erkrankte überlebt hat.

Spitzenkandidat der AfD Siegmund gibt seine Stimme ab

Ulrich Siegmund hat in seinem Wahlbezirk Tangermünde seine Stimme abgegeben. Die Ankunft des Politikers sorgte für Aufmerksamkeit. Wähler ließen sich mit ihm ablichten, Siegmund beantwortete Fragen von Journalisten.

Seniorenheim in Dessau: Weitere Briefwahl-Vorwürfe aufgekommen

Nachdem ein Bevollmächtigter einer 95-jährigen dementen Bewohnerin Anzeige gegen Unbekannt gestellt hatte, kommen weitere Vorwürfe gegen das Dessauer Marthahaus ans Licht. Dies berichtet die Ostdeutsche Allgemeine, die mit den Verwandten der Betroffenen gesprochen hat. Demnach gibt es inzwischen drei Fälle, bei denen ein auffälliges Vorgehen des Seniorenheims bezüglich der Briefwahl vorliegen soll.

Auch für eine weitere Demenzkranke sollen der Berichterstattung zufolge Heimmitarbeiter Briefwahlunterlagen ohne Einbeziehung der gesetzlichen Vertreterin beantragt haben. Die Betreuerin einer anderen Seniorin, die an Demenz leidet, beschwerte sich ebenfalls gegenüber der Ostdeutschen Allgemeinen: Ihr habe eine Angestellte des Marthahauses mitgeteilt, die Wahlbenachrichtigung ihrer Verwandten sei zerstört worden. Die beiden Betreuerinnen wollen anonym bleiben, da sie ansonsten Nachteile für ihre im Heim lebenden Angehörigen befürchten.

Im zuerst bekannt gewordenen Fall, den der Neffe einer Heimbewohnerin ins Rollen gebracht hatte, sehen Polizei und Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau indes keine Anhaltspunkte für eine Wahlmanipulation. Man habe auch die 18 weiteren Briefwahlanträge aus der Einrichtung überprüft und keine Verdachtsmomente feststellen können. Auch eine Vernichtung von Wahldokumenten sei nicht belegt.

Wirtschaftsweise Schnitzer warnt vor AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt

Gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger warnte Monika Schnitzer, die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, vor einer AfD-Regierung in Magdeburg. Diese könnte dazu beitragen, dringend benötigte Fachkräfte abzuschrecken, was wiederum Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes hätte, so die Chefin der Wirtschaftsweisen.

Dies könne sich besonders verhängnisvoll auswirken, weil in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren viele Arbeitnehmer verrentet würden. Ohne Zuzug von außen wäre demnach ein Fachkräftemangel zu erwarten, meinte die Ökonomieprofessorin aus München. Würde das AfD-Wahlprogramm verwirklicht, drohe Sachsen-Anhalt als Wirtschaftsstandort deutlich an Attraktivität zu verlieren.

Merz attackiert Sachsen-Anhalt-AfD von Hannover aus

Zum Wahlkampfabschluss in Sachsen-Anhalt verzichtete Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen weiteren Auftritt dort. Stattdessen trat er am Flughafen Hannover als Gast der niedersächsischen CDU auf. In Niedersachsen finden am 13. September Kommunalwahlen statt. Aber auch in Hannover ließ den Kanzler und CDU-Vorsitzenden die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht los.

Er stieß sich vor allem an der Wortwahl des AfD-Landesvorsitzenden von Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt. Dieser hatte kürzlich auf dem Kongress der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland "Vater Staat" als "nach Dope stinkenden faulen Asi" bezeichnet, der sein Geld fürs Nichtstun bekomme, um regelmäßig die Internationale zu lallen.

Die Muttersprache wiederum sei heutzutage "ein intersektionales Flittchen", dessen grüngefärbte Haare zerzaust seien, weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendere. Der "verlotterten Linken" müsse man das Sorgerecht für Deutschland entziehen.

Demgegenüber forderte Merz eine Verbesserung der Auseinandersetzung mit der AfD, auch mit Blick auf deren Ausdrucksweise. "Wir lassen uns von diesen Leuten unser Land nicht kaputtreden", betonte Merz in Niedersachsen. An der Brandmauer gegen die AfD will der Sauerländer festhalten.

Das Ausland und die Landtagswahl

Auch das Ausland schaut aufmerksam auf die heutige Wahl in Sachsen-Anhalt, mehr als sonst bei deutschen Landtagswahlen üblich. Dieses gesteigerte Interesse liegt natürlich in der Möglichkeit begründet, dass dort die AfD erstmalig die Regierung stellen könnte.

Wie die Ostdeutsche Allgemeine es schildert, soll es Hunderte Anfragen internationaler Medien an die Spitzenkandidaten geben. Sogar in China interessiert man sich für die Landtagswahl. Laut Bild-Angaben soll auch der große US-Sender CNN einen Korrespondenten nach Magdeburg entsandt haben.

Im Vorfeld der Wahl hatten bereits britische und französische Medien wie The Guardian, BBC, Le Nouvel Observateur, Le Temps und Le Monde über den Wahlkampf und die Konsequenzen eines möglichen AfD-Erfolgs berichtet.

Besonderen Anteil an der Landtagswahl nehmen polnische Offizielle. So hatte Hanna Radziejowska, die Leiterin des staatlich finanzierten Pilecki-Instituts in Berlin, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur vor einem AfD-Sieg gewarnt.

Insbesondere die Haltung der AfD zur Erinnerungspolitik ist der Historikerin ein Dorn im Auge. Sie fürchtet einen zunehmenden Druck auf die Gedenkstätten und eine Belastung des deutsch-polnischen Verhältnisses, sollte die AfD die Wahl gewinnen. Radziejowska sieht zudem den Wunsch der AfD einer Wiederaufnahme der Beziehungen zu Russland kritisch.

Sachsen-Anhalt wählt: Wie Angst vor der AfD verbreitet wird

An diesem Sonntag wählt Sachsen-Anhalt. "RT"-Journalist Roman Ziskin beleuchtet in seinem Beitrag, wie etablierte Medien, Politik und Verbände angesichts eines möglichen AfD-Erfolgs systematisch Angst schüren. Statt einer sachlichen Auseinandersetzung prägt gezielte Panikmache vor wirtschaftlichen Schäden und gesellschaftlichen Umbrüchen die aufgeheizte Stimmung.

Ein Video dazu gibt es hier auf unserer Webseite.

Antifa-Demo in Halle (Saale) verläuft glimpflich

Neben dem AfD-Wahlkampfabschluss und dem "Demokratiefestival" der AfD-Gegner, Veranstaltungen, die beide in der Landeshauptstadt Magdeburg stattfanden, kam es gestern Abend auch in Halle (Saale) zu Versammlungen. Der dortige Protest war vor allem von einer Antifa-Kundgebung geprägt, lief aber dem Vernehmen nach ohne größere Unruhen ab.

Die Polizeiinspektion Halle (Saale) verkündete in einer Pressemitteilung ein vorläufiges Fazit ihres Einsatzes, bei dem sie auch von Polizeikräften aus Baden-Württemberg unterstützt wurde. Demnach liefen 2.500 Teilnehmer der Versammlung als Aufzug durch die Innenstadt von Halle. Dabei kam vonseiten der Demonstranten Pyrotechnik zum Einsatz. Die Polizei hat zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Gewalt und Sachbeschädigungen im Wahlkampf

Mittlerweile hat die Polizei in Sachsen-Anhalt eine erste Bilanz gezogen, was den Verlauf des Wahlkampfs angeht. Wie der Sender MDR berichtete, sind demnach mehr Wahlplakate beschädigt oder entwendet worden als in früheren Jahren. Das sachsen-anhaltische Innenministerium meldet diesbezüglich bislang 1.000 Fälle, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Wahljahr 2021. Auch von 120 Körperverletzungen, Bedrohungen und Beleidigungen ist die Rede.

Die Parteien setzen sich gegen den Plakate-Klau zur Wehr, müssen dabei allerdings aufpassen, selbst nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. So hat die Staatsanwaltschaft Stendal einen Antrag auf Aufhebung der Immunität gestellt, um gegen den EU-Abgeordneten Arno Bausemer ermitteln zu können. Der AfD-Politiker soll bei der Verfolgung zweier der Plakatbeschädigung verdächtiger Jugendlicher einen der beiden verletzt haben.

Zu einem weiteren schwerwiegenden Vorfall ist es am vergangenen Donnerstag in Magdeburg gekommen, den die Ostdeutsche Allgemeine und das Compact-Magazin meldeten. Demnach soll ein 32-jähriger Mann, mutmaßlich aus dem linksextremen Spektrum, einen Infostand des BSW am Hasselbachplatz attackiert haben. Der Infostand soll dabei fast vollständig beschädigt worden sein.

Dem BSW zufolge stieß der Angreifer auch einen Vater zu Boden, der zum Zeitpunkt der Attacke sein Kind auf dem Arm trug. Vater und Baby kamen ohne Verletzungen davon. Gegen den Angreifer ermittelt die Polizei.

Die Briefwahl – umstritten, aber beliebt

Die AfD äußerte im Vorfeld der Wahlen offen ihre Skepsis bezüglich der Briefwahl. Im ARD-Sommerinterview warnte der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla: "Ich kenne aber auch Aussagen von Pflegern, im Übrigen auch von Angehörigen, die zum Beispiel ihre pflegenden Angehörigen besuchen wollten im Pflegeheim, auch die Briefwahl durchführen wollten, wo bereits gewählt wurde, wo der Stift sozusagen geführt wurde." Auch der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zweifelte die Sicherheit der Briefwahl, insbesondere in Altenheimen, an.

Vorwürfe, die die Landeswahlleiterin Christa Dieckmann zurückwies. Die Briefwahl sei verfassungsrechtlich abgesichert und durch umfangreiche Sicherheitsmechanismen geschützt. Auch der BIVA-Pflegeschutzbund zeigte sich empört angesichts der Unterstellung, in Pflegeheimen könne der Wählerwille manipuliert werden.

Ein beträchtlicher Anteil der sachsen-anhaltischen Wählerschaft vertraut der Briefwahl. Laut Daten des Statistischen Landesamts waren bis zum 25. August 2026 bereits 335.000 Briefwahlunterlagen ausgegeben worden. Das sind rund 20 Prozent aller Wahlberechtigten und bereits jetzt mehr, als es bei der Landtagswahl 2021 überhaupt Briefwahlstimmen gab.

Derweil kommt es zu ersten Unstimmigkeiten. So wurden in Magdeburg und Halle (Saale) Briefwahlunterlagen doppelt versendet (RT DE berichtete). Und in einem Dessauer Pflegeheim soll eine demente 95-Jährige per Briefwahl abgestimmt haben – ohne Wissen ihres Bevollmächtigten. Der Neffe der Hochbetagten hat inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Zugelassene Parteien und Spitzenkandidaten

Zur Landtagswahl 2026 sind 15 Parteien zugelassen. Neben CDU, AfD, SPD, Linke, FDP, Grüne und BSW sind auf dem Wahlzettel auch kleinere Parteien zu finden. So die Freien Wähler, DieBasis, die Tierschutzpartei, die Gartenpartei, Die PARTEI, die Tierschutzallianz, die Partei des Fortschritts (PdF) und die paneuropäische Partei Volt.

Spitzenkandidat der CDU ist der 46-jährige Sven Schulze, der erst im Januar 2026 den langjährigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff in diesem Amt abgelöst hatte. Der Anwärter der AfD auf das Amt des Ministerpräsidenten heißt Ulrich Siegmund. Er ist zugleich mit 35 Jahren der jüngste aller Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt.

Das BSW tritt zum ersten Mal bei einer Wahl in Sachsen-Anhalt an und setzt auf eine Doppelspitze, bestehend aus der promovierten Historikerin Claudia Wittig und dem Verwaltungsbeamten Thomas Schulze. Für die SPD tritt der Jura-Professor Armin Willingmann in den Ring, der aktuelle sachsen-anhaltische Wissenschaftsminister. Die Linkspartei hat die Fraktionsvorsitzende und Volljuristin Eva von Angern zur Spitzenkandidatin gekürt.

Als Spitzenkandidatin der Grünen fungiert Susan Sziborra-Seidlitz, eine Krankenpflegerin aus Quedlinburg. Sie geriet in die Schlagzeilen, weil ihr Mann vor Jahrzehnten in rechtsextremen Kreisen verkehrt haben soll. Die FDP schließlich hat die derzeitige sachsen-anhaltische Digitalministerin Lydia Hüskens als Spitzenkandidatin benannt.

Wahl in Sachsen-Anhalt hat begonnen

Guten Morgen, liebe Leser! Der Wahltag ist angebrochen. Ab 8 Uhr morgens haben die rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten die Möglichkeit, über die Zusammensetzung des 9. Landtags Sachsen-Anhalts zu bestimmen. Die reguläre Amtszeit der Abgeordneten, die künftig über die Geschicke des Bundeslandes mit seinen 2,1 Millionen Einwohnern entscheiden werden, beträgt 5 Jahre.

Um 18 Uhr schließen die Wahllokale, unmittelbar darauf werden die Prognosen aufgrund von Nachwahlbefragungen veröffentlicht. Mit den ersten Hochrechnungen auf der Grundlage von Stimmzettelauszählungen ist etwas später zu rechnen. Das vorläufige Endergebnis kommt in der Wahlnacht oder am frühen Montagmorgen heraus. Auf das amtliche Endergebnis wird man allerdings etwas länger warten müssen: Die Landeswahlleiterin hat für dessen Verkündigung einen Zeitraum vom 21. bis zum 27. September 2026 anberaumt.

Sachsen-Anhalt ist in 41 Wahlkreise eingeteilt. Mit der Erststimme votieren die Wähler für einen der Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis. Wer von den jeweiligen Direktkandidaten die meisten Erststimmen erzielt, erhält das Direktmandat und zieht in den Landtag ein. 41 der regulär 83 Sitze des in Magdeburg angesiedelten Landesparlaments werden so vergeben.

Die restlichen 42 Abgeordneten gelangen über die Landesliste in den Landtag. Die Wähler entscheiden sich über ihre Zweitstimme für die Liste einer bestimmten Partei. Durch Ausgleichs- und Überhangmandate kann sich die Zahl der Parlamentarier erhöhen.

5.09.2026 20:49 Uhr

Das Ringen um Wahlbeobachter

Bei einer Wahl, die kontrovers, knapp und womöglich folgenreich ist, liegt es nahe, die Auszählungen zu beobachten. Allein, um sicherzustellen, dass nachträgliche Auseinandersetzungen begrenzt bleiben. In den sozialen Medien wird das auch thematisiert.

Die AfD hatte schon am Donnerstag zur Beobachtung aufgerufen und auch einen Leitfaden für die Beobachter ins Netz gestellt. Inzwischen hat das BSW nachgezogen und mit Verweis auf die immer noch nicht durchgeführte Neuzählung der letzten Bundestagswahl seine Anhänger aufgefordert: "Wohnt der Auszählung bei und schaut genau hin. Gemeinsam müssen wir verhindern, dass sich die Farce rund um die Auszählung der Bundestagswahl wiederholt."

Die Seite Karte.Wahlbeobachtung.de liefert einen Überblick, für wie viele Wahllokale in Sachsen-Anhalt es noch keine Beobachter für die Auszählung gibt. Der aktuelle Stand – Samstag, 20:30 Uhr – besagt, dass noch für 1.291 Wahllokale Beobachter fehlen, 650 Lokale genug Beobachter haben.

Die übrigen Parteien, die in Sachsen-Anhalt zur Wahl antreten, haben zwar betont, dass jeder Bürger das Recht hat, die Auszählung zu beobachten, aber sie rufen nicht dazu auf, weil es, so das Ergebnis einer von Correctiv durchgeführten Abfrage, "aus ihrer Sicht keine Anhaltspunkte dafür, dass bei der Wahl mit vermehrten Wahlfälschungen zu rechnen wäre". Für Correctiv sind natürlich alle Sorgen bezüglich Wahlfälschungen "Verschwörungsmythen".

Allerdings – das einzige Mittel, das diese Mythen wirksam entwerten würde, wäre eine möglichst große Zahl Beobachter bei den Auszählungen. Die eigenartige Ergebnisse wie bei der letzten Bundestagswahl, als mit hoher Wahrscheinlichkeit ein guter Teil Stimmen für das BSW einer Partei mit ähnlichem Namen zugerechnet wurde, verhindern könnten.

Bundesbildungsministerin Prien warnt vor Aufhebung der Schulpflicht in Sachsen-Anhalt

Karin Prien, die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zeigt sich besorgt über die Auswirkungen einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt. Dies meldete die Deutsche Presse-Agentur.

Die CDU-Politikerin bezog sich in ihrer Besorgnis auf Punkt 26 des AfD-Wahlprogramms, der unter dem Motto "Bildungspflicht statt Schulzwang!" eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht analog zum in Österreich praktizierten Modell vorsieht. Halbjährlich stattfindende zentrale Prüfungen für häuslich unterrichtete Kinder sollen dabei den erforderlichen Wissenszuwachs sicherstellen.

Für Prien ist der Hausunterricht keine Option, sondern eine gesellschaftspolitische Katastrophe. Stattdessen sei es angebracht, die verpflichtenden Maßnahmen auszuweiten und über ein obligatorisches Kita-Jahr im Vorschulalter nachzudenken. Dies gelte insbesondere für Kinder mit Förderbedarf.

Einen Zwang zur staatlichen Beschulung gebe es ohnehin nicht, denn Eltern hätten die Möglichkeit, sich für Schulen in nicht-staatlicher Trägerschaft zu entscheiden, etwa für kirchliche Schulen oder für Schulen mit einem besonderen pädagogischen Konzept.

Die Schulpflicht sei eine der großen Errungenschaften des modernen Rechtsstaats. Kindern ohne Schulunterricht drohten "erhebliche psychische Beeinträchtigungen". Da die Menschen sich ohnehin schon zu viel in ihren Blasen bewegten, seien Schulen als Orte der Integration und sozialen Interaktion notwendig, an denen Menschen unterschiedlicher Milieus aufeinanderträfen.

Wahl eines neuen sachsen-anhaltischen Ministerpräsidenten könnte sich hinziehen

Die Aussage des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze am 7. Juli 2026 in der ZDF-Sendung Markus Lanz ließ aufhorchen. Damals hatte der CDU-Politiker verkündet, weder mit der AfD noch mit der Linkspartei koalieren zu wollen. Bezüglich der Wahl des Ministerpräsidenten im neuen Landtag hatte er erklärt:

"Ich bin ziemlich sicher, wenn es zu einer solchen Situation kommen würde, dass es aus der Mitte keine Mehrheit gibt, dann wird es wahrscheinlich über den längeren Zeitraum erst mal keine Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt geben." Was genau Schulze damit gemeint haben könnte, darüber wurde viel spekuliert.

Nun, kurz vor der Wahl, taucht dieser Satz wieder auf. Im Interview mit Apollo News wies der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt darauf hin, dass die sachsen-anhaltische Verfassung keinen Zeitpunkt vorschreibe, zu dem im neu zusammengekommenen Landtag eine Ministerpräsidentenwahl stattzufinden habe. Schulze bliebe somit vorerst geschäftsführend im Amt. Patzelt spricht von einer Art "Spielzeitverlängerung", mit der sich die Union aus einer schwierigen taktischen Lage herauswinden könnte. Ein provisorisches Fortdauern der Brandmauer wäre also die Folge.

Tatsächlich steht in Artikel 45 der sachsen-anhaltischen Landesverfassung, dass der Landtag in seiner neuen Zusammensetzung spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentreten muss. Artikel 60 wiederum besagt, dass sich der Landtag auf Beschluss von zwei Dritteln der Abgeordneten auflösen kann, was Neuwahlen nötig macht. Dies ist allerdings frühestens sechs Monate nach Beginn der Wahlperiode erlaubt.

Für die Wahl des Ministerpräsidenten wiederum gibt es keine vorgeschriebene Frist, bis zu der sie stattgefunden haben muss. Erhält im ersten Wahlgang kein Kandidat eine Stimmenmehrheit bei den Mitgliedern des Landesparlaments, muss laut Artikel 65 die Ministerpräsidentenwahl in einem zweiten Wahlgang innerhalb von sieben Tagen wiederholt werden.

Kommt es auch dann nicht zu einer Mehrheit der Parlamentarier für einen bestimmten Kandidaten, bietet die Landesverfassung zwei Alternativen: Der Landtag kann innerhalb von weiteren 14 Tagen seine Selbstauflösung beschließen (was Neuwahlen zur Folge hätte).

Findet diese Möglichkeit keinen Zuspruch bei einer Mehrheit der Landtagsabgeordneten, findet sogleich ein weiterer Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten statt. Hier genügt dann die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Das ganze Prozedere könnte sich also in die Länge ziehen.

Anti-AfD-Spruch "zierte" den Magdeburger Dom

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, hat das Bündnis "Mehr als uns trennt e. V.", das sich nach eigenen Angaben die Stärkung der sogenannten "demokratischen Mitte" zum Ziel gesetzt hat, am Freitagabend einen Anti-AfD-Slogan auf den Magdeburger Dom projiziert.

Auf der steinernen Außenwand des dem heiligen Mauritius und der heiligen Katharina geweihten Kirchengebäudes war der Meldung zufolge zu lesen: "Was wir lieben, geben wir nicht auf. Wahre Heimatliebe ist nicht die AfD." Auch auf dem sachsen-anhaltinischen Landtag soll kurzzeitig eine Warnung vor einer AfD-Regierung angebracht worden sein. Die Gruppierung wird auch in der kommenden Nacht mit den Aktionen fortfahren.

Auf der Homepage des Vereins ist zu lesen, es handle sich um einen "überparteilichen Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern aus Sachsen-Anhalt und ganz Deutschland, die Heimat nicht denen überlassen wollen, die hetzen und spalten". Zu den Unterstützern des Vereins gehört die bekannte Schauspielerin Sandra Hüller.

Bereits zuvor war der Magdeburger Domplatz zum Schauplatz von Wahlkampf-Symbolik geworden. Am Samstagnachmittag wird dort das "Demokratiefestival" eines Anti-AfD-Bündnisses stattfinden. Auch der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) soll Informationen der Jungen Freiheit zufolge dort auftreten. Jegliche Nationalflaggen sind dort nicht erwünscht.

Seit rund zwei Wochen waren auf dem Domplatz die Farben der deutschen Nationalflagge aufgemalt. Diese wurden jedoch vor dem Wochenende entfernt. Wie die Bild berichtet, hatte die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die für den Magdeburger Dom und sein Umfeld zuständig ist, Handwerkern den Auftrag zur Reinigung erteilt – aus Denkmalschutzgründen, erklärte eine Sprecherin. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nutzte den Vorfall für ein Aufreger-Video im Wahlkampf.

CSU-Chef Söder signalisiert Öffnung gegenüber der Linkspartei

"Tempora mutantur, nos et mutamur in illis" (zu deutsch: Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen), sagt der Lateiner. Dies gilt insbesondere für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder. Im heute erschienen Interview mit der Rheinischen Post gibt er sich pragmatisch und optimistisch zugleich. Er setze darauf, dass letztendlich nicht die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewinne, sondern eine von ihm sogenannte "demokratische Mehrheit“.

Gleichwohl räumte er ein, dass die CDU in den östlichen Bundesländern zu Zugeständnissen genötigt sei, während die Union sich im Westen ihre Partner aussuchen könne. Als Beispiel für Ersteres nannte Söder die sächsischen und thüringischen CDU-Ministerpräsidenten sowie den brandenburgischen Landesvater Dietmar Woidke von der SPD.

Auch dem sachsen-anhaltischen CDU-Spitzenkandidaten schreibt Söder dieses Fingerspitzengefühl zu. Er traue ihm zu, "eine gute und konstruktive Regierung [zu] bilden", wenn auch nicht "mit klassischen Mehrheitsverhältnissen". Ohne die Linkspartei direkt zu erwähnen, sprach Söder in diesem Zusammenhang von "Tolerierungen durch Parteien, bei denen sich normalerweise alle Haare sträuben würden".

In den vergangenen Jahren hatte sich Söder stets vehement gegen eine Zusammenarbeit von Union und Linkspartei verwahrt. So hatte der bayerische Ministerpräsident noch im September 2025 beim niederbayerischen Gillamoos erklärt: "Ich will nichts mit der Linkspartei zu tun haben" und beteuert: "Für die CSU sage ich Nein zu jeder Zusammenarbeit mit Sozialisten, Kommunisten und linksaußen."

Auf dem Gillamoos 2021 hatte Söder die Linkspartei sogar zur Nachfolgepartei der SED erklärt. Bis heute habe sie sich nicht von ihrer Vergangenheit distanziert. Er wisse schon, "warum die den Verfassungsschutz abschaffen wollen".

Am kommenden Montag wird Söder wieder Hauptredner bei der CSU-Veranstaltung in Abensberg sein. Es bleibt abzuwarten, ob er nach der Wahl in Sachsen-Anhalt dann verbal die Samthandschuhe gegenüber der Linken anziehen muss. Der bayerische AfD-Abgeordnete Richard Graupner konstatierte jedenfalls schon jetzt auf Telegram: "Franz Josef Strauß rotiert gerade im Grabe."

Ulrich Siegmunds Schattenkabinett

Noch ist es überhaupt nicht sicher, ob es zu einer AfD-Regierung kommt. Aber angesichts der hohen Umfragewerte ist davon auszugehen, dass man sich in der sachsen-anhaltischen AfD schon Gedanken über die Verteilung der Ministerposten gemacht hat. Im Spiegel-Interview hatte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund geäußert, er habe sein künftiges Kabinett bereits zu 95 Prozent im Kopf. Namen gab er allerdings nicht preis.

Diese will das Magazin Focus allerdings aus AfD-Kreisen erfahren haben. Patrick Harr, derzeit Pressesprecher der AfD-Fraktion im Landtag, soll demnach Leiter der Staatskanzlei werden, der derzeitige bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion Hans-Thomas Tillschneider dagegen Fraktionschef.

Für den Bundestagsabgeordneten Martin Reichardt ist den Focus-Informationen zufolge das Gesundheitsministerium vorgesehen. Im Bundestag hatte sich Reichardt als scharfer Kritiker der Corona-Politik unter der Regierung Merkel einen Namen gemacht.

Für den Posten des Innenministers soll es gleich zwei Kandidaten geben: zum einen den langjährigen Landtagsabgeordneten Matthias Büttner, zum anderen den früheren Berliner Finanzsenator Peter Kurth. Kurth ist mittlerweile aus der CDU ausgetreten. Ein anderes früheres CDU-Mitglied, der einstige Präsident des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen, ist dem Vernehmen nach als Kandidat für das Amt des Innenministers nicht mehr im Rennen.

Als Kandidaten für das Amt des Justizministers werden der Roßlauer Ortsvorsteher Laurens Nothdurft sowie der Landtagsabgeordnete Peter Hecht genannt. Beide sind Juristen. Der derzeitige AfD-Fraktionsvorsitzende im sachsen-anhaltischen Landtag, Oliver Kirchner, könnte Wirtschaftsminister werden.

Manche der genannten Personalien wären für eine künftige AfD-Regierung nicht ganz unproblematisch. Während bei Martin Reichardt unklar ist, ob der auf einem Partyfoto ausgestreckte linke Arm überhaupt einen Hitlergruß darstellt, soll Laurens Nothdurft Presseberichten zufolge einst Kader der mittlerweile verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) gewesen sein. Gleiches wird Patrick Harr nachgesagt.

Die Rolle der Großkirchen im Wahlkampf

Die evangelische und katholische Kirche in Sachsen-Anhalt kann man getrost als Bestandteil des Wahlkampfs betrachten, positionieren sie sich doch deutlich gegen eine mögliche AfD‑Regierung. Das Tischtuch zwischen der Amtskirche und der AfD ist gerade in diesem Bundesland seit Langem zerschnitten.

Das katholische Bistum Magdeburg ist etwa Träger der Kampagne "Bewusst wählen!", das evangelische Gegenstück lautet "Herz statt Hetze" und stammt von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM). Diese vertritt den Großteil der evangelischen Christen Sachsen-Anhalts. Allerdings gehören in diesem Bundesland mittlerweile weniger als 14 Prozent der Einwohner einer der beiden Großkirchen an.

Diese hätten von einer AfD-Regierung erhebliche finanzielle Einbußen zu befürchten. Denn in deren Wahlprogramm ist von einer grundlegenden Reform der Staatsleistungen die Rede, die der Staat seit der Enteignung von Kirchengütern im frühen 19. Jahrhundert zu zahlen verpflichtet ist. Gegen die Evangelische Akademie erhebt die AfD den Vorwurf der "politischen Agitation". Sie würde die Zahlungen am liebsten ganz einstellen. Stattdessen sollen mehr Fördermittel an kleinere Kirchen gehen.

In einem heute erschienenen Interview mit der Augsburger Allgemeinen legte der katholische Bischof Gerhard Feige kurz vor der Wahl noch einmal nach. Er fühle sich mittlerweile an die 30er Jahre kurz vor der Machtergreifung erinnert und verstehe jetzt besser, wie es zum Erstarken der NSDAP gekommen sei. Der Demokratie attestierte der geistliche Würdenträger ein "Selbstzerstörungspotenzial" und warnte: "Nicht jeder, der demokratisch wählt oder gewählt wird, ist ein Demokrat."

Die alles entscheidende Fünf-Prozent-Hürde

Bei der Wahl geht es der AfD darum, die absolute Mehrheit im sachsen-anhaltinischen Landtag zu bekommen und damit die Chance auf eine Alleinregierung zu erhalten. Ihren Konkurrenten von CDU, SPD, Grünen und Linken kommt es wiederum darauf an, eben dies zu verhindern. Das BSW hat eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht von vornherein ausgeschlossen, es pocht jedoch auf einen überparteilichen Kandidaten bei der Ministerpräsidentenwahl im Landtag. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund setzt hingegen auf eine Alleinregierung der AfD ohne eine Tolerierung durch das BSW.

Dafür muss die AfD nicht einmal 50 Prozent der Stimmen erreichen. Denn die Stimmen für Parteien, die unter der Fünf-Prozent-Hürde bleiben, werden für den neuen Landtag nicht gewichtet. Je nachdem, wie viele der kleineren Parteien nicht im Landesparlament vertreten sind, dürften womöglich auch schon 42 Prozent für eine Einparteienregierung der AfD ausreichen. Es könnte also eine Hängepartie bis zum endgültigen Wahlergebnis drohen, sowohl für die AfD als auch für ihre Kontrahenten.

Auf die Bedeutung der kleineren Parteien als mögliche Koalitionspartner der CDU zur Verhinderung einer AfD-Regierung setzt die Initiative "Taktisch wählen". Ihr maßgeblicher Unterstützer ist die Agentur "The Goodforces", die der SPD und den Grünen nahestehen soll. Die Initiative wirbt für das Wählen von SPD, Grünen und Linkspartei, nicht jedoch für die FDP oder das BSW.

Wahlkampfendspurt am Samstag

Am heutigen Samstag startet Sachsen-Anhalt in die letzte Phase des Wahlkampfs. Für die Parteien ist heute die letzte Chance, die Wähler von ihrem Programm zu überzeugen. Die AfD hält ihre Abschlusskundgebung am Samstagnachmittag in Magdeburg ab. Angekündigt sind beide Bundesvorsitzende, Alice Weidel und Tino Chrupalla, sowie ein Überraschungsgast. Die anderen Parteien sind ebenfalls noch einmal durch Infostände in vielen Städten Sachsen-Anhalts präsent.

Aber auch Proteste sind bereits angekündigt. So etwa eine als "großes Demokratiefestival" deklarierte Demonstration auf dem Magdeburger Domplatz, zu der rund 8.000 Teilnehmer erwartet werden. Verantwortlich dafür: "Sachsen-Anhalt Weltoffen!", ein breites Bündnis von Kirchen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. In Bitterfeld-Wolfen liegt dagegen das Zentrum eines antifaschistischen Protestcamps mit dem Motto "Schlechte Grüße aus Bitterfeld".