Nigeria verkündet Abzug von US-Soldaten – Ein Beraterkontingent bleibt

Das kleine US-Truppenkontingent, das erst im Februar in das westafrikanische Nigeria entsandt wurde, vorgeblich um die Regierung im Kampf gegen islamistischen Terror zu unterstützen, wird bis Ende September wieder abgezogen. Das hat das nigerianische Militär am Dienstag bekanntgegeben.

Nigeria hat bestätigt, dass rund 200 US-Soldaten, die zur Unterstützung des Kampfes gegen bewaffnete Gruppen entsandt worden waren, das westafrikanische Land verlassen werden, wobei der Großteil voraussichtlich bis Ende September abgezogen sein wird.

Ein kleineres Berater- und Aufklärungsteam werde vor Ort bleiben, während die Zusammenarbeit bei der Ausbildung und dem Informationsaustausch fortgesetzt werde, erklärte der nigerianische Militärsprecher Generalmajor Samaila Uba am Dienstag. "Der Einsatz von US-Personal war an bestimmte operative und terrorismusbekämpfende Ziele gebunden", sagte Uba laut AP.

Die Truppen waren erst im Februar eingetroffen, um Unterstützung in den Bereichen nachrichtendienstliche Aufklärung, Zielerfassung und Ausbildung zu leisten. Washington entsandte anschließend MQ-9-Reaper-Überwachungsdrohnen zum Flugplatz Bauchi im Nordosten Nigerias. Die Mission erfolgte, nachdem US-Präsident Donald Trump den nigerianischen Behörden vorgeworfen hatte, Christen nicht zu schützen, und mit militärischen Maßnahmen gedroht hatte.

Nigeria wies Behauptungen zurück, Christen würden systematisch ins Visier genommen, und erklärte, dass dschihadistische Gewalt, Banditentum und Konflikte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen Bürger unterschiedlicher Glaubensrichtungen betreffen.

Im Dezember 2025 führten die beiden Länder koordinierte Luftangriffe gegen mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates im Bundesstaat Sokoto durch. Im Mai gaben das nigerianische Verteidigungshauptquartier und das US-Afrika-Kommando bekannt, dass bei einer gemeinsamen Operation im Tschadsee-Becken der hochrangige Anführer des Islamischen Staates, Abu-Bilal al-Minuki, getötet worden sei. Trump bezeichnete ihn als den weltweit zweithöchsten Anführer der Gruppe.

Der Chef des US-Afrika-Kommandos, General Dagvin Anderson, gab im Juli bekannt, dass der Großteil der amerikanischen Truppen abgezogen worden sei, und erklärte, die Operation habe die Führung des "Islamischen Staates" erfolgreich geschwächt und dessen weitreichendes Netzwerk zerschlagen. Samuel Memeh, Vorsitzender der nigerianischen "Democratic Leadership Alliance", widersprach dieser Einschätzung. Memeh erklärte gegenüber RT, der Einsatz habe keine nennenswerte Verbesserung der Sicherheitslage gebracht, und argumentierte, ausländische Streitkräfte allein könnten die bewaffneten Gruppen des Landes nicht besiegen.

Nigeria sieht sich weiterhin mit sich überschneidenden Bedrohungen durch Boko Haram und dessen dem Islamischen Staat nahestehenden Ableger im Nordosten, durch bewaffnete Banditen, die im Nordwesten und in den zentralen Regionen ihr Unwesen treiben, sowie durch Gewalt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Seit Beginn des Aufstands im Jahr 2009 sind mehr als 40.000 Menschen ums Leben gekommen, wie UN News im Januar berichtete.

Während des US-Einsatzes kam es weiterhin zu schweren Angriffen. Am 21. August griffen Bewaffnete mehrere Ortschaften im Bundesstaat Niger an. Dabei sollen 30 Menschen getötet und Hunderte von Gläubigen aus einer Moschee entführt worden sein. Anwohner schätzten die Zahl der Entführten auf bis zu 600, obwohl die Behörden angaben, diese Zahl sei nicht bestätigt worden. Berichten zufolge flohen mindestens 2.000 Menschen ins benachbarte Benin.

Das in Lagos ansässige Sicherheitsberatungsunternehmen SBM Intelligence gab in einem Bericht vom vergangenen Monat an, dass zwischen Juli 2025 und Juni 2026 in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas mindestens 7.825 Menschen entführt wurden – ein Anstieg um 66 Prozent gegenüber dem vorangegangenen 12-Monats-Zeitraum.

Mehr zum Thema – Washington hat Afrika mit seiner Aggression angesteckt